von Marie-Chantal Tajdel
erschienen in der Oldenburgischen Volkszeitung am 04.08.2017
Die 32-Jährige aus Vechta beschäftigt sich mit einem urdeutschen Thema: dem Wald – und mit Lithografie
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Bremen/Vechta. Die Baumstämme ragen fast düster in den Himmel. Dicht an dicht stehen sie. Die Kronen bleiben dem Betrachter verborgen. Nur die Wurzeln graben sich tief in den Boden und hinterlassen den Eindruck einer uralten Waldlandschaft. Auf einem anderen Bild scheinen sich vor hellgelbem Hintergrund einige Tannen auf einer Lichtung leicht hin und her zu bewegen. Eine andere Arbeit zeigt lichte, bunte Blätter, die von den Ästen hängen und auch bunte Waldbewohner auf dem moosigen Boden sein könnten.
Der Wald – das ist das momentane Thema von Katharina Albers. Die Vechtaerin lebt und arbeitet in Berlin und hat an der Universität der Künste in Berlin studiert. Dort war sie auch Meisterschülerin des Malers und Musikers Professor Thomas Zipp. Seit 2011 beschäftigt sich die freischaffende Künstlerin mit der Technik der Lithografie.
Die Lithografie gilt als die aufwendigste Drucktechnik. Die Farben werden auf einem glatt geschliffenen Kalksandstein aufgetragen, den die Künstlerin zuvor so lange schleift, bis er plan ist. Doch bevor sie die Druckfarben auftragen kann, wird der Stein noch mit Säure und Terpentin präpariert. Erst dann kann sie Schicht für Schicht die unterschiedlichen Farben oder Motive zeichnen. Der Prozess ist aufwändig und braucht Zeit. „Es ist eine Technik, die entschleunigt und äußerst viel Konzentration erfordert“, sagt Katharina Albers. Sie muss für jede neue Farbe, die sie auf das Werk setzt, einen neuen Druckvorgang beginnen. Durch die Technik ist sie sehr lange mit den Arbeiten beschäftigt. „Sie begleiten mich eine gewisse Zeit“, erzählt die Künstlerin.
Es kann bis zu vier Monate dauern, bis das Motiv fertig ist. Denn die ölhaltige Farbe, die sie nutzt, muss zwischen den Druckvorgängen auch immer mal wieder trocknen.
Katharina Albers mag das handwerkliche Arbeiten mit den schweren Steinen und der speziellen Technik. „Das machen nicht besonders viele Frauen“, erzählt sie. Doch ihr liegt die Technik. „Anders als bei Zeichnungen kann ich aquarellartige Strukturen erschaffen, expressive Formen kreieren“, erzählt sie. Das ist es auch, was den Betrachter in die Bilder hinein zieht. Katharina Albers Werke strahlen eine meditative Ruhe und gleichzeitig eine geheimnisvolle Spannung aus.
Das Thema Wald vertieft diesen Eindruck noch zusätzlich. Der Wald als urdeutsches Thema steht für Kraft, Mythologie und Märchen und gleichzeitig auch für Geborgenheit, Geheimnis und Gefahr. Das ist es auch, was die Künstlerin an dem Thema Wald interessiert. „Es ist der spannendere Ort, der gegen alles Digitale und Zivilisierte steht“, sagt sie. Als Naturraum sei er nicht wirklich beherrschbar, sondern wild und rau. Das spiegelt sich auch in ihren Bildern wieder. Dabei geht es ihr vor allem um das Ursprüngliche. Ähnlich wie die Romantiker um die Wende zum 19. Jahrhunderts verbindet sie mit dem Wald Eskapismus. Der Wald ist Zufluchts- und Rückzugsort.
Nur Menschen lassen sich auf ihren Arbeiten nicht finden. „Ich bin von Menschen oder mit Bildern von Menschen umgeben und ich habe das Gefühl, dass es genügend Darstellungen von Menschen gibt“, sagt sie. Die 32- Jährige findet den Fokus auf die Natur spannender. „Wie fühlt es sich an, durch die Natur zu gehen? Ich habe den Drang das darzustellen“, sagt sie. So entstehen bei Wanderungen ganz subjektive Bilder in ihrem Kopf, die sie schließlich in ihrem Atelier in Moabit aufs Papier bringt. Es gibt Serien, die den Wald fast unheimlich bei Nacht und Nebel zeigen. In einer anderen Serie spürt der Betrachter nahezu die Frühlingsfrische.
Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich Katharina Albers in einer neuen Serie mit der Mikroebene des Pflanzlichen – mit Organismen, die wachsen. Doch auch bei dieser neuen Serie ist eines für sie wichtig: es müssen pflanzliche Organismen sein. Einen Teil dieser Arbeiten wird Katharina Albers ab dem 1. Dezember in einer Ausstellung im Kunstverein der Wassermühle Lohne zeigen.